Dreizehn Beachflags im Altarraum der Heidelberger Heiliggeistkirche signalisierten, dass die Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen den Gottesdienst zum Reformationstag am Samstagabend, 31. Oktober 2026 gestaltete.
Der Bezirksposaunenchor unter der Leitung von Monika Bießecker-Ernst erfüllte die Kirche am Beginn des Gottesdienstes mit feierlichen Klängen. Pfarrer Vincenzo Petracca von der evangelischen Heiliggeistgemeinde begrüßte als Hausherr die Anwesenden und freute sich darüber, dass der Gottesdienst ökumenisch gefeiert werde, war doch die Heiliggeistkirche 230 Jahre durch eine Mauer für die evangelische und die katholische Gemeinde geteilt.
Mit „Ecclesia reformata semper reformanda“ stellte Christina Wente von der Freien evangelischen Kirche in den Raum, dass sich die christliche Kirche auch heute immer weiter reformieren müsse, um in Zeiten von Krisen und Unsicherheiten „eine feste Burg“ sein zu können. Das gleichnamige Lied von Martin Luther (1483 – 1546) mit Posaunen- und Orgelbegleitung war die gesungene Bestätigung der Gemeinde.
„Gestalte unser Herz nach deinem Evangelium“ formulierte Mathias Kirchgäßner von der katholischen Stadtkirche in seinem Gebet für die Kirche, bevor Sabine Kummradt-Wendel von der Hoffnungskirche aus 5. Mose 6,4-9 las.
Predigt
„Liebe Glaubensgeschwister“ eröffnete Dr. Marc Witzenbacher, Prälat für den evangelischen Kirchenkreis Südbaden seine Predigt anhand Matthäus 10,26-33. 365mal seien die Worte „Fürchte dich nicht“ in der Bibel zu finden – einmal für jeden Tag. Das habe Jesus nicht zu denen gesagt, die nichts zu befürchten hatte und auch kein konfliktfreies Leben versprochen, sondern sein Bekenntnis vor seinem Vater und dessen volle Aufmerksamkeit. Ein Mensch lebe nicht von seiner Leistung, sondern allein aus Gottes Gnade. Wer wisse, dass er von Gott angenommen sei, verspüre Freiheit und könne sich dem Nächsten zuwenden. Dort, wo Menschen wegen ihres christlichen Glaubens verfolgt würden, sei es egal, welcher christlichen Kirche sie angehörten. Nur gemeinsam könnten Mauern eingerissen werden. Mit „Fürchtet euch nicht, Amen!“ schloss er seine Ausführungen.
„Komm, sag es allen weiter“ mit dem Refrain „Gott selber lädt uns ein“ (EG 225) schallte fröhlich durch die Kirche, bevor Mathias Kirchgäßner und Nici Gabriel von Open Doors Deutschland e. V. die Fürbitten sprachen und zum gemeinsamen Unservater-Gebet einluden.
Open Doors Deutschland e. V. als Empfänger der Kollekte kündigte Hirte i. R. Helmut Haas von der neuapostolischen Kirche an und lud auch zum Umtrunk nach dem Gottesdienst ein. Nici Gabriel berichtete von weltweit 380 Millionen teils schwerstverfolgter Christen und von Gebeten rund ums Erdenrund. Daneben stellte sie Hilfsangebote wie Traumaseelsorge oder Hilfe zu Selbsthilfe vor. Mit einem herzlichen Gebet bat sie um das Gelingen der Kollekte.
Nach dem Segen von Prälat Witzenbacher begleitete rauschende Orgelmusik von Prof. Christoph Bornheimer, Stadtorganist der evangelischen Kirche Heidelberg nach draußen ins Dunkel der Novembernacht.