Im Rahmen des alljährlich im Heidelberger Stadtteil Rohrbach stattfindenden ökumenischen Stationengottesdienstes besuchten Christinnen und Christen aus dem Stadtteil am Sonntag, 27. September 2026 auch die neuapostolische Kirche im Helaweg.
Thema des Gottesdienstes waren die Namensgeber der jeweiligen Kirchengebäude
Melanchthonkirche
Erste Station war die erhöht über dem Stadtteil gelegene evangelische Melanchthonkirche. Heiko Theißen berichtete über die Bedeutung von Philipp Melanchthon (1497 – 1560), der neben Martin Luther der wichtigste kirchenpolitische Akteur und theologische Autor der Wittenberger Reformation war und verwies auf die entsprechenden Buntglasfensterbilder der Kirche.
St. Johanneskirche
In der katholische St. Johanneskirche erinnerte Gemeindereferent Stefan Osterwald an zwei Persönlichkeiten mit dem Namen Johannes. Eine Statue in der Kirche stellt Johannes, den Lieblingsjünger Jesu dar, während das Relief über dem Kircheneingang das letzte Abendmahl zeigt, bei dem Johannes sich dicht an Jesus schmiegt.
Vor der Kirche wiederum erinnert eine Statue an Johannes Nepomuk (1345 – 1393), dem Beichtvater der Ehefrau des böhmischen Königs Wenzel IV. Der Legende nach verdächtigte der extrem eifersüchtige König seine Frau der Untreue und suchte nach einem Grund für eine Scheidung bzw. Verurteilung. Er forderte Johannes Nepomuk unter Androhung schwerer Strafen auf, das Beichtgeheimnis zu brechen und ihm zu verraten, ob die Königin einen Liebhaber gestanden habe. Johannes weigerte sich standhaft, das Beichtgeheimnis zu verletzen, worauf ihn der wütende König foltern und im Jahr 1393 von der Prager Karlsbrücke in die Moldau stürzen ließ, wo er ertrank.
Neuapostolische Kirche
Um 11:00 Uhr traf die inzwischen auf ca. 50 Teilnehmende angewachsene „ökumenische Wandergruppe“ in der Neuapostolischen Kirche ein. Weil die Neuapostolische Kirche keine Heiligen hat, lautete das Thema „Apostel damals und heute“. Nach der Begrüßung durch Hirte i. R. Helmut Haas sangen alle „Gott Vater, dir sei Lob und Dank“ (GB 85) mit Orgelbegleitung, wo "das Feuer deines Geistes flammt für jeden im Apostelamt“ thematisiert wird. Hirte i. R. Haas schlug eine Brücke von den urkirchlichen Aposteln zu den heutigen Aposteln und erläuterte, wie es nach rund 1.700 Jahren zur Wiederaufrichtung des Apostelamtes im 19. Jahrhundert gekommen sei. Aktuell werden 9,5 Millionen Mitglieder der Neuapostolischen Kirche International in fast 200 Ländern weltweit von 366 Aposteln unter der Leitung eines Stammapostels betreut. 87 Prozent der neuapostolischen Christen leben in Afrika, während die Neuapostolische Kirche in Deutschland mit rund 300.000 Mitgliedern die viertgrößte Konfession darstellt.
Kirche St. Thomas
Letzte Station war die Kirche St. Thomas der Selbständigen Evangelisch-Lutherischen Gemeinde, wo die „Wandergruppe“ auf dem Vorplatz vom evangelischen Posaunenchor der Melanchthongemeinde begrüßt wurde. Im Inneren der Kirche stellte Pfarrer Stefan Förster den Kirchenpatron Apostel Thomas vor. Er hob hervor, dass Thomas seinen Namenszusatz „der Ungläubige“ wohl zu Unrecht trage, weil er ja nicht dabei gewesen sei, als die anderen Jünger ihre erste Begegnung mit dem Auferstandenen hatten. Darum habe er verständlicherweise den Wunsch gehabt, dem auferstandenen Jesus ebenfalls zu begegnen. Ein geselliges Beisammensein mit regem Gedankenaustausch auf dem sonnigen Vorplatz der Kirche bei Brezeln und Getränken bildete den Abschluss der ökumenischen Tour durch Rohrbach.