Die letzten Sonnenstrahlen blinzelten am Sonntag, 16. November 2025 über dem alten Friedhof im Heidelberger Stadtteil Wieblingen, als der Posaunenchor an der evangelischen Kreuzkirche die ökumenische Feierstunde zum Volkstrauertag auf dem kleinen Platz vor dem Kriegerdenkmal eröffnete.
Tanja Becker, Gemeindereferentin der katholischen Stadtkirche begrüßte die Anwesenden zum Gedenken und Gebet. Sie erinnerte neben den Gefallenen der beiden Weltkriege auch an aktuelle Konflikte, Terror und Gewalt und machte Hoffnung auf Frieden durch Jesus Christus, was das gemeinsam gesungene Lied bestätigte: „Wo Menschen sich vergessen“ mit dem Refrain „dass Friede werde unter uns“ (Laubach/Lehmann). Der Lesung von Psalm 147 folgte das gemeinsame Lied „Verleih uns Frieden gnädiglich“ (Martin Luther 1483 - 1546)
Pfarrerin Dr. Verena Schlarb las Seligpreisungen aus der Bergpredigt (Matthäus 5), erinnerte daran, dass Kriegsgefallene früher als Helden bezeichnet wurden und berichtete aus einer Konfirmandenstunde zum Thema „Helden“ mit dem Ergebnis, dass jeder, der als Held angesehen werde, auch seine kritischen Seiten habe. Martin Luther habe ebenfalls festgestellt, dass jeder der an Jesus Christus glaube, zugleich Heiliger, weil er Gott nahe ist, und Sünder sei. Soldaten verteidigen ihr Land, müssten dabei aber Gewalt anwenden. Schließlich lasen drei Konfirmanden Tagebucheinträge junger Menschen aus der Zeit zwischen 1939 und 1945, die die ganze Bandbreite von anfänglicher Kriegsverherrlichung bis zu endgültiger Erleichterung vor Augen führten.
Nach einem gemeinsamen Lied wurde das Glaubensbekenntnis von Nizäa-Konstantinopel gesprochen und Fürbitten gelesen von Mitgliedern der evangelischen, katholischen und neuapostolischen Kirchengemeinde - letztere vertreten durch Hirte i. R. Helmut Haas.
Dem gemeinsamen Unservater-Gebet folgte die Kranzniederlegung und Dankesworte von Walter Petschan im Auftrag des Stadtteilvereins Wieblingen e. V. Er dankte allen Mitwirkenden, darunter den Konfirmandinnen und Konfirmanden, denen er „Frieden für euch“ wünschte und „später durch euch“. Er plädierte für ein gutes Zusammenleben im eigenen Volk und die Achtung der Würde des Gesprächspartners. Der Auftrag an alle Christen für ein friedliches Zusammenleben sei Brücken zu bauen und keine Mauern zu errichten.