„Ankommen – Loslassen – zur Ruhe kommen“ versprachen die Plakate, die zu „Stay & Pray“ am Freitagabend, 29. Mai 2026 in die Kirche Heidelberg-Werderstraße einluden.
Leise Musik und gedämpfte Beleuchtung umfing die rund 50 Besucherinnen und Besucher im Laufe des Abends beim Betreten der Kirche. Im Gebetsraum dominierte ein eigens für diesen Abend gezimmertes Kreuz mit indirekter Beleuchtung, wo zu jeder vollen Stunde ein Gebetsimpuls angeboten wurde. Im Foyer luden liebevoll dekorierte Tische zum Verweilen, Gedankenaustausch und Feedback ein, Getränke und Snacks standen bereit bis ein Gong den ersten Gebetsimpuls ankündigte und in den Gebetsraum lockte.
Gebete der Stille
Ein mit ruhigen Worten gesprochenes Gebet unterstützte dabei, den Alltag zu verlassen und den Raum der Stille in sich selbst zu suchen. Minuten der Stille wechselten sich ab mit stillen Gebeten. Die biblische Begebenheit als Jesus während eines Sturmes im Boot schlief, lenkte den Blick auf Jesus hin, der selbst schwere Momente in tiefem inneren Frieden durchlebte. Nach einer weiteren Stille konnten persönliche Gedanken zu Jesus Christus geteilt werden.
Das hohepriesterliche Gebet
Nach persönlichen Begegnungen und Gesprächsaustausch riefen die Glöckchen zum nächsten Gebetsimpuls. Priester Christoph John aus der Gemeinde Heidelberg-Werderstraße schilderte alltägliches Erleben: „Es gibt Menschen, die dir Steine in den Weg legen und Freunde, denen im Moment profane Dinge wichtiger sind als deine Sorgen. Einsam und verlassen – kennst du das?“ Jesus Christus sei in der gleichen Situation gewesen: Die Jünger, die ihm vollste Unterstützung versichert hatten, stritten, wer der Größte sei, verleugneten ihn oder schliefen gar, während er im Angesicht der bevorstehenden Verurteilung und des sicheren Todes für die ganze Welt und alle Anvertrauten betete. Jesus habe vor 2.000 Jahren für jeden einzelnen gebetet. „Lass ihn ein, weil er dich liebt“ schloss Priester John und sprach ein Gebet, dass jeder leise fortsetzen konnte.
Gebetsmeditation
Als die Glöckchen den letzten Gebetsimpuls des Abends ankündigten, saß Carmen Feil aus der Gemeinde Bammental bereits völlig geerdet vor dem Holzkreuz. Sie motivierte dazu, eine bequeme Haltung einzunehmen, tief durchzuatmen und die Hände als Schale zu halten, in die alles Angenehme und Unangenehme hineingelegt werden könne: Träume, Hoffnungen, Verletzungen, Zweifel, Frust, Bedürftigkeit, Ängste und Sorgen aber auch Dankbarkeit und Liebe. Der gesamte Inhalt könne in Gottes barmherzige Hände abgegeben werden. Die nun leeren Hände wurden auf Herz gelegt, um Gaben Gottes zu empfangen und Liebe, Frieden, Vergebung und Segen in Herz und Seele fließen zu lassen. Mit dem Bewusstsein „Gott liebt mich, sieht mich, nimmt mich an, vergibt mir und ist immer für mich da“ konnte ins Hier und Jetzt zurückgekehrt werden, gestärkt für alles, was vor einem liege.