Mit dem Dreimaster „Soeverein“ skipperten 44 Jugendliche aus dem Kirchenbezirk unter dem Motto „Glaube gibt Rückenwind“ vom 12. – 18. April 2025 über das Ijsselmeer in den Niederlanden.
Seit November 2024 wurde geplant, besprochen, informiert. Ab Dezember 2024 lief die Anmeldung nach dem Windhundprinzip. Natürlich waren die 44 Schlafplätze in den 16 Kabinen im Nu ausgebucht und die Vorfreude stieg.
Anreise und Boarding
Am Samstag, 12. April 2025 morgens um 3:00 Uhr war es endlich soweit. An der Kirche Sinsheim startete der Bus Richtung Lelystad Bataviahaven. Während der eine oder andere noch ein Nickerchen machte, war das Bezirksjugendleiterteam mit Elena Schuster und Elias Feil noch fleißig am Organisieren. Die Jugendlichen sorgen in sechs Teams selbst für ihre Verpflegung und gestalten täglich eine Andacht – am ersten Abend zum Thema „Wasser“. Auch die musikalische Vorbereitung auf den Gottesdienst an Palmsonntag kam nicht zu kurz.
Palmsonntag - König, Priester und Prophet
Überraschend geweckt wurden alle am Sonntagmorgen – nicht von der Sonne, sondern von der Durchsage: „Bitte gerade kein Wasser benutzen!“ Was genau los war, blieb geheim - das Abenteuer begann also bereits vor dem Frühstück.
Richtig königlich wurde es beim Gottesdienst mit Bezirksevangelist Ralf Kneisel. König, Priester und Prophet war das Thema und damit die Geduld wieder aufgetankt. Über Mittag grüßte Bezirksvorsteher Priester Mathias Gramlich via youtube-Video vom zeitgleich stattfindenden Vorsteher-Tag des Apostelbereichs aus der Kirche Karlsruhe-Süd.
Nach gefühlt 73 Planänderungen durch Wind und Wetter hieß es endlich: Leinen los - zum ersten Mal mit gehissten Segeln. An Bord wurde entspannt gechillt, unterlegt mit Gitarre, Rollklavier und Viva la Vida-Vibes.
Vor dem Abendessen lernten sich alle besser kennen – auch durch die sportliche Herausforderung, drei Menschen auf einem Stück Papier zu stapeln. Funktionierte erstaunlich gut, wenn physikalische Gesetze nicht so ernst genommen werden. Der Abend klang gechillt vor Anker aus bei Sonnenuntergang, Snacks, guten Gesprächen und ein wenig Seemansgarn.
Montag - Palstek und Glaube im Alltag
Mit strahlendem Sonnenschein, dafür wenig Wind startete der Montag – perfekt für einen ruhigen Vormittag. Vor der Abfahrt wurden für die abendliche Challenge Seemannsknoten geübt - vom Schmetterlingsknoten bis zum Palstek. Manche saßen schnell, andere erst nach ein paar Anläufen mit Teamwork und Geduld.
Die Andacht beschäftigte sich damit, wie Glaube im Alltag gelebt und bekannt werden könne. In offenem Austausch wurden Gedanken und Tipps geteilt und gegenseitig Mut gemacht mit intensiven und nachhaltigen Momenten.
Mangels Wind ging es motorbetrieben weiter Richtung Osten nach Kampen mit der Passage einer Autobahnbrücke. Eine Ampelregelung sorgte für eher ungewöhnliche Eindrücke auf dem Wasser, weil die Fahrzeuge oben auf der Brücke warten mussten.
Dienstag - mit verbundenen Augen und Aprilwetter
Erneut bei strahlendem Sonnenschein und blauem Himmel - entgegen dem Wetterbericht - erwacht, nutzten die motivierten Frühaufsteher die Möglichkeit, den Tag mit Olaf und einem kleinen Gebetskreis zu starten. Im Anschluss folgte die Andacht zum Thema „Zweifel“. Pascal hatte einen Text vorbereitet, der viele Zweifel des eigenen Glaubenslebens ansprach, aber auch Lösungsansätze und Gedankenimpulse lieferte. Nun wurde das Vertrauen getestet. Mit verbundenen Augen wurde das Schiff von sehenden und „blinden“ Menschen in Kleingruppen erkundet. Mangels Augenbinde wurde schonmal der Jugend-Segeln-2025-Kapuzenpulli verkehrtherum angezogen und die Kapuze übers Gesicht gezogen.
Danach gab es Gelegenheit, sich entspannt die Sonne auf die gut eingecremte Nase scheinen zu lassen oder bei guter Musik auf Deck Karten zu spielen, während langsam grüne Wiesen, kleine Bauernhöfe oder eine riesige aufgeklappte Brück vorbeiglitten. Wem das zu idyllisch war, konnte sich bei einem intensiven Sportprogramm auf Deck auspowern und Hunger fürs Mittagessen schaffen.
Am frühen Nachmittag überraschte dann tatsächlich das Aprilwetter. Binnen kürzester Zeit verfinsterte sich der Himmel und Regen prasselte in Strömen herab. Die geplante Deckolympiade fiel wortwörtlich ins Wasser und wurde durch eine Impromtu-Chorprobe von Anne, Pascal und Lotti ersetzt. Abends im Hafen von Medemblik verabschiedete sich der Tag dann wieder mit einem wunderschönen Sonnenuntergang.
Mittwoch – Dankbarkeit und Dudelgemüse
Am Mittwoch war das Wetter „frisch mit Charakter“: Bewölkt, aber immerhin trocken – ideal, um sich an Deck den Wind um die Nase wehen zu lassen. Mit der Andacht nach dem Frühstück zum Thema Dankbarkeit wurde plötzlich die Liste der Dinge, für die man dankbar sein kann, länger als die Einkaufsliste vor dem Segeltörn.
Vier Stunden Landgang war für die Erkundung von Enkhuizen eingeplant – getrennt, gemeinsam, mit Kibbelingessen oder Kaffeetrinken – aber immer mit guter Laune.
Abends im Hafen: Traumsonnenuntergang deluxe und als Zugabe eine Abifeier auf dem Nachbarboot. Der kreative Höhepunkt des Tages folgte nach dem Abendessen mit Karottenflöten basteln. Trotz grauem Himmel ging erneut ein bunter Tag an Bord zur Neige.
Donnerstag – Rückenwind für Herz und Seele
Bei der morgendlichen Andacht drehte sich alles um das Motto der Reise „Glaube gibt Rückenwind“ – ein Gedanke, der alle bewegt hatte. Jeder konnte einem lange zuvor zugelosten Mitreisenden ein ehrliches Kompliment machen, was für viele warme Momente der Wertschätzung sorgte.
Nachmittags verwöhnte Friedrich, ein talentierter junger Bäcker mit frisch gebackenen Osterbrezeln – warm, lecker und schnell vergriffen. Pascal leitete ein kleine Kraftsporteinheit, während Mathilda Grundtechniken der Selbstverteidigung vermittelte – inclusive höflicher Begrüßung „Kido“ und einem entschlossenen „Gehen Sie weg!“
Nach dem Anlegen in Urk wurde das Pfannkuchen-Essen vorbereitet, das durch zwischenzeitlichen Gas- und Stromausfall zum Nachtessen wurde. Ab 22:00 Uhr war Chorprobe mit vollem Einsatz und „Oh Happy Day“.
Karfreitag – Ausschiffen mit Bass, Blumen und besonderem Segen
Das Frühstücksteam hatte sich am letzten Tag nochmal richtig ins Zeug gelegt. Satte Bässe lockten an fein gedeckte Tische mit liebevoll angerichtete Salami-Blumen.
Im besonderen Gottesdienst zu Karfreitag rückt erneut das Reisemotto in den Mittelpunkt. Ein Meditationsgebet lud dazu ein, Jesus auf dem Schiff zu begegnen. Priester Christoph John beleuchtete die freudige Botschaft von Karfreitag und machte deutlich: „Wenn du jemandem wehtust, tust du Jesus weh.“ Priester Christian Imdahl versicherte in seinem Predigtbeitrag: „Jesus ist immer bei uns“
„Nur mit Jesus will ich leben“ (Frithjof Tomusch *1961) war die gesungene Glaubensüberzeugung begleitet von der Band, während der Männerchor für Gänsehautmomente sorgte.
Danach hieß es Zimmer aufräumen, gefühlt 273 Wasserflaschen ihrem Besitzer zurückgeben und - zum letzten Mal – in der Kombüse Spaghetti mit Tomatensoße kochen. Die unvergessliche Woche auf dem Ijsselmeer nahte ihrem Ende und ein besonderer Dank galt den beiden Hauptverantwortlichen Elena Schuster und Elias Feil.
Tatsächlich war der Rückenwind aus der gemeinsamen Woche zu spüren: durch den Glauben, durch Gemeinschaft und viele Momente der Freude, durch vielfältige Andachten, spontane Gebetskreise und tiefen Gesprächen. Musik, Lachen und kreative Einheiten ließen selbst Tage ohne Wind zu einem guten Tag werden und jede unerwartete Herausforderung wurde zur gemeinsamen Anekdote, die die Gemeinschaft noch mehr wachsen ließ. Dieser Rückenwind wird lebendig bleiben und durch den Alltag tragen.