Zu ihrem alljährlichen Stationengottesdienst machten sich die Christinnen und Christen im Heidelberger Stadtteil Rohrbach am Sonntag, 15. Oktober 2023 auf den Weg. Unter dem Motto des diesjährigen Tages der Schöpfung „Damit ihr das Leben in Fülle habt“ führte der Weg auch in die neuapostolische Kirche im Helaweg.
Der Stationenweg begann um 10:00 Uhr in der selbständigen Evangelisch-Lutherischen Kirche St. Thomas in der Freiburger Straße mit Begrüßung und Kyrie.
Neuapostolische Kirche Heidelberg-Rohrbach
Um 10:30 Uhr füllte sich die neuapostolische Kirche. Priester Michael Etzkorn begrüßte neben den Mitgliedern der Gemeinde Heidelberg-Rohrbach rund 35 Rohrbacher Christinnen und Christen und lud zum gemeinsamen Gesang ein: „Sieh, ich breite voll Verlangen“ (GB 131).
Die Lesung von 5. Mose 8, 7-14a, 17-18 enthielt die Mahnung Gottes zur Dankbarkeit für das gute Land, in dem Wasser fließt, Früchte gedeihen und Bodenschätze vorhanden sind, das er geschenkt hatte und nicht aus eigener Kraft erworben worden war. Karin Weidenheimer, Ökumenebeauftragte der Gemeinde Heidelberg-Rohrbach, forderte dazu auf, im Foyer vorbereitete Karten mit Notizen zu versehen und Symbole für ein Leben in Fülle in einem Tütchen mitzunehmen, bevor Priester Michael Etzkorn ein Segensgebet sprach.
Katholische Kirche St. Johannes
Nach einem kurzen Fußmarsch erreichte die christliche Gruppe die katholische Kirche St. Johannes, wo Gemeindereferent Stefan Osterwald das Gleichnis Jesu des guten Hirten las und dabei Johannes 10,10 in den Mittelpunkt stellte: „Der Dieb kommt nur, um zu stehlen, zu schlachten und zu vernichten; ich bin gekommen, damit sie das Leben haben und es in Fülle haben“ (Einheitsübersetzung). Er bat darum, sich in Kleingruppen über die Merkmale der Fülle auszutauschen und fasste anschließend die Gedanken mit einem Liedruf abwechselnd zusammen. Mit Trauben des Weinstockes als biblisches Zeichen der Fülle entließ er die Christinnen und Christen zur nächsten Station.
Synagogenstein
Auf dem Platz der ehemaligen Rohrbacher Synagoge warteten bereits Mitglieder des Rohrbacher Posaunenchores und begrüßten mit Musik in der herbstlichen Sonne. Sibylle Baur-Kolster, Pfarrerin an der evangelischen Melanchthonkirche, übermittelte Grüße von Rabbiner Jona Pawelczyk-Kissin, der aufgrund der aktuellen politischen Lage seine Teilnahme absagen musste, und las an seiner Statt Psalm 91.
Evangelische Melanchthonkirche
Nun begann der Aufstieg zur evangelischen Melanchthonkirche, gegründet auf einer Einsiedelei im „Kühlen Grund“. Mit „prallgefüllt“ eröffnete Pfarrerin Sibylle Baur-Kolster ihre Ausführungen. Dass die empfangene Fülle zum Weitergeben befähige, gar verpflichte, beschrieb sie mit „Der römische Brunnen“ von Conrad Ferdinand Meyer (1825 – 1898) „Auf steigt der Strahl und fallend gießt er voll der Marmorschale Rund, die sich verschleiernd, überfließt in einer zweiten Schale Grund; die zweite gibt, sie wird zu reich, der dritten wallend ihre Flut, und jeder nimmt und gibt zugleich und strömt und ruht.“
Nachdem die letzten Töne von „Verleih uns Frieden gnädiglich“ in der Fassung von Matthias Nagel (*1958) verklungen waren, lud Pfarrerin Baur-Kolster zum „gemeinsamen Mal“ - einem kleinen Imbiss in den Chorraum ein.