Zum letzten Mal öffneten sich die Türen der Kirche Edingen für einen Gottesdienstbesuch. Im Gottesdienst an Palmsonntag, 10. April 2022 mit Bezirksälteste Gerd Merkel wurde das Gebäude profaniert.
Bereits seit dem 1. März 2020 feiern die Mitglieder der beiden Gemeinden Edingen-Neckarhausen und Heidelberg-Wieblingen die Gottesdienste gemeinsam in der größeren Kirche Heidelberg-Wieblingen und sind zur Gemeinde zusammengewachsen. War ursprünglich geplant abwechselnd auch Gottesdienste in der Kirche Edingen anzubieten, bremste die einsetzende Pandemie alle Bemühungen aus. Aus ihrem rund zweijährigen Dornröschenschlaf wurde nun die Kirche in zwei größeren Arbeitseinsätzen geweckt, um einen würdigen Rahmen für den letzten Gottesdienst zu schaffen.
Palmsonntag
„Großer Gott, wir loben dich“ (GB255) – zum letzten Mal erhob sich die Gemeinde zum gemeinsamen Eingangschoral und Bezirksälteste Gerd Merkel bat in seinem ersten Gebet um die richtigen Worte für die Freude an Palmsonntag neben der Wehmut der Profanierung.
„Jesus aber antwortete ihnen und sprach: Die Stunde ist gekommen, dass der Menschensohn verherrlicht werde.“ Johannes 12,23 war Predigtgrundlage. Die Lesung von Matthäus 21,1-11 veranschaulichte die jahrhundertelang vorhergesagte biblische Situation an Palmsonntag. Bezirksälteste Merkel resümierte, dass hier nicht die Abwicklung des nächsten Schrittes eines Projektes erfolgt sei, sondern die Erfüllung des Heilplanes Gottes. Die beginnende Passionszeit mit Demütigung und Tod stimme einerseits traurig, mache aber letztendlich glücklich, weil Jesus den Sieg davongetragen habe. Jesus habe Gott in Jerusalem verherrlicht und sei selbst von Gott verherrlicht worden. Der Bezirksälteste ermunterte dazu, Jesus ebenfalls zu verherrlichen, ihn im Herzen zu tragen, im Gottesdienst zu bekennen und nach seinem Wort zu handeln.
„Ich weihe dieses Haus als eine Hütte Gottes bei den Menschen“ – mit diesen Worten weihte Bischof Landgraf im September 1963 die Kirche Edingen. Bezirksälteste Merkel ließ beinahe sechs Jahrzehnte kirchliches Leben der Gemeinde Edingen mit unzähligen Gottesdiensten wach werden und erinnerte sich selbst an den hier angebotenen Blockflötenunterricht, an dem er als Kind teilgenommen habe.
Der Einzug in Jerusalem könne nicht mit dem Auszug aus der Kirche verglichen werden, denn die sinnbildliche Hütte Gottes bei den Menschen bleibe, erklärte Priester Holger Döhling in seinem Predigtbeitrag und bat darum, Jesus nie aus dem Herzen ausziehen zu lassen.
Eine Kirche, in der sich Menschen wohlfühlen, ihr Leben nach dem Evangelium ausrichten, um sich auf sein Wiederkommen vorzubereiten, zitierte Priester Uwe Behrens in seinem Predigtbeitrag aus der Vision der Neuapostolischen Kirche.
Jesus zu verherrlichen – egal in welcher Gemeinde, dazu forderte Priester Manfred Behrens auf und erinnerte an das Jahresmotto „Gemeinsam in Christus“.
Profanierung
Nach dem sakramentalen Teil des Gottesdienstes sprach Bezirksälteste Merkel ein weiteres Gebet, endwidmete das Kirchengebäude und beendete den Gottesdienst mit Schlussgebet und -segen. Nach dem Ende der Liturgie bat er Priester i. R. Norbert Reinhard um einige Worte. Priester Reinhard, 25 Jahre Vorsteher der Gemeinde Edingen und seit vier Jahren im Ruhestand ermunterte mit 1. Mose 24,56 „Haltet mich nicht auf, denn der HERR hat Gnade zu meiner Reise gegeben. Lasst mich, dass ich zu meinem Herrn ziehe.“
Über eine Gemeinde voller Glaubensheldinnen und -helden freute sich Priester Steffen Ambiel, Vorsteher der Gemeinde Heidelberg-Wieblingen und betonte, dass die Liebe des einzelnen und seine Glaubenserfahrungen eine Gemeinde ausmache und nicht deren Leitung.
„Danket dem Herrn“ (GB 272) spielte der Organist, während die Gottesdienstbesucher allmählich die Kirche verließen und dabei noch viele Erinnerungen der vergangenen Jahrzehnte austauschten.