Um den Toten der Weltkriege zu gedenken, finden alljährlich Gedenkveranstaltungen am Volkstrauertag statt. Am Sonntag, 19. November 2023 beteiligten sich auch neuapostolische Kirchengemeinden aktiv in ihren jeweiligen Kommunen.
Bammental
Der Posaunenchor der evangelischen Kirche Bammental eröffnete die Gedenkveranstaltung um 11:15 Uhr auf dem alten Friedhof in Bammental. Die vier christlichen Kirchen Bammentals wechseln sich bei der Ansprache ab. In diesem Jahr war die neuapostolische Kirchengemeinde an der Reihe.
Hirte Achim Beck berichtete, dass er bereits vor einigen Tagen am Gefallenendenkmal gestanden und die Namen der Gefallenen des ersten Weltkrieges (1914 – 1918) gezählt habe: 89 gefallene Soldaten aus einem Dorf, das zu diesem Zeitpunkt weniger als 2.000 Einwohner zählte. Da sei wohl kaum eine Familie gewesen, in der nicht Trauer eingekehrt war. Jeder Mensch sei einzigartig und jedes Leben kostbar. Beck erinnerte an Micha 4,aus 3 „Sie werden ihre Schwerter zu Pflugscharen machen und ihre Spieße zu Sicheln.“ Sicher seien alle gedanklich mit der biblischen Aussage einverstanden, während andere Menschen Konflikt und Krieg dem Frieden vorzögen. Bei den jeden Freitag stattfindenden Friedensgebeten werde nicht nur um den Wunsch gebetet, die Auseinandersetzungen zu beenden, sondern um den Mut, Friedensverhandlungen zu führen.
Nach der Ansprache von Bürgermeister Holger Karl und weiteren Musikbeiträgen wurde ein Kranz niedergelegt.
Heidelberg-Wieblingen
Nach und nach füllte sich die katholische Pfarrkirche St. Bartholomäus. Aufgrund der unsicheren Wetterlage war der ökumenische Gottesdienst vom Alten Friedhof unter das schützende Dach der St. Bartholomäuskirche verlegt worden. Die Bläser des evangelischen Posaunenchores eröffneten die Veranstaltung feierlich auf der Orgelempore.
Tanja Becker, Gemeindereferentin der katholischen Kirche erinnerte in ihren Eröffnungsworten an die Toten aller Kriege, aber auch ganz aktuell an den Ukraine- sowie den Nahostkonflikt. Nach dem einladenden Lied „Komm in unsre stolze Welt“ (EG 428) verbreitete die Lesung von Psalm 147 Zuversicht: „Der Herr heilt, die zerbrochenen Herzens sind.“
Um Frieden und Gottes Nähe bat Priester Steffen Ambiel, Vorsteher der neuapostolischen Kirchengemeinde in seinem herzlichen Gebet.
Pfarrerin Dr. Verena Schlarb von der evangelischen Kirche gestaltete ihr Predigt um Matthäus 25,35-40 „Denn ich bin hungrig gewesen und ihr habt mir zu essen gegeben… “. Sie berichtete dabei auch vom Leid und Ausgeliefertsein einer jungen Syrerin, die aktuell Asyl in der Wieblinger Kreuzkirche erhält. Schlarb führte vor Augen wie plötzlich aus einem Flüchtling eine lebendige Seele mit einer Persönlichkeit, wie aus einem Fremdling ein Mensch mit einer Geschichte werde, die auch manche Großeltern erlebt haben. Sie machte auf die Ausstellung „Gegen das Vergessen“ von Luigi Toscano im Thaddenpark aufmerksam, wo aus Opfern in der Anonymität plötzlich Menschen werden. „Vergesst nicht den Schmerz der Geflüchteten, so wie auch Gott nicht vergisst“ schloss sie ihre Ausführungen.
„Verleih uns Frieden gnädiglich“ (Marin Luther 14783 – 1546) erklang von der Gemeinde mit Posaunenchorbegleitung, bevor alle gemeinsam das nizänische Glaubensbekenntnis sprachen, Fürbitten für Frieden und ein friedvolles Miteinander lasen und das „Unser Vater“ beteten.
Nach der Kranzniederlegung im Namen der Stadt Heidelberg dankte Walter Petschan vom Stadtteilverein Heidelberg-Wieblingen allen Anwesenden fürs Kommen - ganz besonders den Konfirmandinnen und Konfirmanden - und appellierte, eine friedlichere Zukunft mitzugestalten, die Gewaltspirale zu stoppen und bei politischen Diskussionen fair miteinander umzugehen. „Nie wieder! – Das sind wir der großen Zahl der Kriegstoten schuldig“ beendete Petschan seine Ausführung und lud zur gemeinsamen Besichtigung in den Thadden-Park ein.